Bericht zum Kongress vom 26. und 27.10.2009
Alternative Dispute Resolution im Zentrum für interdisziplinäre Forschung der Universität Bielefeld
Zu dem Kongress ADR State of the Art - Grundfragen und neue Erkenntnisse zu Mediation und anderen Konfliktlösungen hatten sich am 26./27.10.2009 ca. 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Wellenberg eingefunden. Veranstaltet wurde er vom Institut für Anwalts- und Notarrecht der Universität Bielefeld zusammen mit eucon, (Europäisches Institut für Conflict Management e.V., München). Das ZiF erwies sich durch Lage und Ausstattung als idealer Tagungsort.
Nach der Begrüßung durch den Prorektor der Universität Prof. Dr. Johannes Hellermann und die Dekanin der Fakultät für Rechtswissenschaft Profin. Dr. Regina Harzer führte Dr. Reiner Ponschab (eucon) in das Thema ein.
Prof. Dr. Jan C. Joerden (Europa-Universität Viadrina, Frankfurt/Oder) referierte zur „Ehtik der Verhandlungsführung“ und begründete ausgehend von der Spieltheorie Regeln „Fairen Verhandelns“, welche der Mediators wie auch die Parteien beachten müssen, um kooperative Lösungen zu ermöglichen.
Der zweite Referent, Prof. Dr. jur. Dr. phil. Harro von Senger, Professor für Sinologie an der Universität Freiburg i. Brsg., führte mit dem Vortrag zu „Strategemischer Verhandlungsführung aus chinesischer Sicht“ die Zuhörerinnen und Zuhörer in ein im Reich der Mitte verbreitetes Orientierungssystem von „Listen“ ein, das von Europäern (bisher) wenig beachtet wird. An die beiden Referate schloss sich eine spannende und kontroverse Diskussion zwischen den Anwesenden und den Referenten an.
Nach der Mittagspause setzte Prof. Dr. Matthias Raith (Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg) die Reihe der Vorträge mit der Behandlung von „Konfliktstrukturen und Verhandlungsprozeduren: Spieltheorie und Verhandlungsanalyse in der Konfliktbewältigung“ fort. Hier wurde deutlich, dass das optimale Verhandlungsergebnis mit den Methoden der Spieltheorie und der Verhandlungsanalyse sichtbar gemacht und „berechnet" werden kann; für den Umgang des Mediators und der Parteien mit dieser Verhandlungsanalyse lassen sich jedoch keine einheitlichen Regeln festlegen.
Rechtsanwalt Rouven Soudry aus Düsseldorf schloss mit dem Beitrag „Der Macht die Worte: Rhetorische Instrumente der Konfliktbewältigung“ an und stellte die Möglichkeiten des gezielten Einsatzes rhetorischer Mittel in der Mediation durch den Mediator wie durch die Parteien dar, die für den weiteren Verlauf von Verhandlungen oft von entscheidenden Bedeutung sind.
Danach verteilte sich das Plenum auf drei Workshops zu den Referaten mit der Besonderheit, dass die Teilnahme an den einzelnen Workshops dem Motto der Tagung entsprechend unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ausgehandelt werden konnte.
Zum Abschluss des ersten Kongresstages führte das „Neue Ensemble Hannover“ unter der Leitung von Stephan Meier vor, wie aus vielen Solisten ein Orchester wird. Damit kamen die Anwesenden in den Genuss zeitgenössischer Musik und erhielten gleichzeitig einen Einblick in die soziale Seite der Orchesterarbeit mit Bezügen zur Mediation im Hinblick auf Kommunikation und Kooperation.
Nach einem kurzen Feedback wurde zur Abendveranstaltung mit kulinarischen Köstlichkeiten, angeregter Unterhaltung und musikalischer Untermalung durch Mitglieder des Neuen Ensembles Hannover übergeleitet, die im Ententurm in Brockhagen stattfand und bis in die späten Abendstunden dauerte.
Der zweite Kongresstag begann mit dem Vortrag von Prof. Hans-Peter Dürr (Max-Planck- Instituts für Physik, München, Träger des alternativen Nobelpreises 1987) zu dem Thema: „Mediation: Element der Evolution und zentraler Baustein künftiger Friedenssicherung“, der mit dem Fazit endete, dass nicht Krieg ultima ratio der Auseinandersetzung der Staaten sein dürfe, sondern die Sicherung der Weltfriedens allein durch Verhandlung und Mediation gewährleistet werden könne.
Als weiterer Referent trat Fürsprecher, Mediator und Coach Adrian Schweizer aus Gockhausen (Schweiz) auf und stellte „Neue Werkzeuge der Konfliktlösung - Komplexes Denken zum Lösen komplexer Konflikte“ vor. Dies verdeutlichte die Aussage, dass ein Problem nicht auf der gleichen Ebene, auf der es entstanden ist, und nur unter Einbeziehung einer Mehrheit von Perspektiven gelöst werden kann.
Den Nachmittag eröffnete Dr. Alexander Pfab, LL.M., MM., aus Speyer mit der Vorstellung der „Persönlichkeitstypologie Enneagramm“. Eine Einordnung menschlicher Charaktere mit diesem Werkzeug, bezogen auf den Mediator wie auf die Medianten, kann für den Verlauf des Mediationsverfahrens von erheblicher Bedeutung sein.
In den anschließenden Workshops zu den drei Themen des Tages hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, die Inhalte noch intensiver auch im Austausch untereinander zu bearbeiten.
Nachdem die Ergebnisse der Workshops vorgestellt worden waren, fasste Prof. Dr. Fritz Jost die beiden Kongresstage stichwortartig zusammen.
Das Feedback, wie es auf dem Kongress und im Anschluss gegeben wurde, deutet auf eine gelungene variantenreiche Tagung hin, welche durch anspruchsvolle und weit gefächerte Beiträge der Referenten vor einem fachkundigen Publikum die Interdisziplinarität der alternativen Konfliktbeilegung aufgezeigt hat.
Rechtsanwältin und Mediatorin Kathrin Glindemann
Institut für Anwalts- und Notarrecht der Universität Bielefeld
Den Bericht zum Mediationskongress können Sie als PDF-Dokument herunterladen.
Nach der Begrüßung durch den Prorektor der Universität Prof. Dr. Johannes Hellermann und die Dekanin der Fakultät für Rechtswissenschaft Profin. Dr. Regina Harzer führte Dr. Reiner Ponschab (eucon) in das Thema ein.
Prof. Dr. Jan C. Joerden (Europa-Universität Viadrina, Frankfurt/Oder) referierte zur „Ehtik der Verhandlungsführung“ und begründete ausgehend von der Spieltheorie Regeln „Fairen Verhandelns“, welche der Mediators wie auch die Parteien beachten müssen, um kooperative Lösungen zu ermöglichen.
Der zweite Referent, Prof. Dr. jur. Dr. phil. Harro von Senger, Professor für Sinologie an der Universität Freiburg i. Brsg., führte mit dem Vortrag zu „Strategemischer Verhandlungsführung aus chinesischer Sicht“ die Zuhörerinnen und Zuhörer in ein im Reich der Mitte verbreitetes Orientierungssystem von „Listen“ ein, das von Europäern (bisher) wenig beachtet wird. An die beiden Referate schloss sich eine spannende und kontroverse Diskussion zwischen den Anwesenden und den Referenten an.
Nach der Mittagspause setzte Prof. Dr. Matthias Raith (Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg) die Reihe der Vorträge mit der Behandlung von „Konfliktstrukturen und Verhandlungsprozeduren: Spieltheorie und Verhandlungsanalyse in der Konfliktbewältigung“ fort. Hier wurde deutlich, dass das optimale Verhandlungsergebnis mit den Methoden der Spieltheorie und der Verhandlungsanalyse sichtbar gemacht und „berechnet" werden kann; für den Umgang des Mediators und der Parteien mit dieser Verhandlungsanalyse lassen sich jedoch keine einheitlichen Regeln festlegen.
Rechtsanwalt Rouven Soudry aus Düsseldorf schloss mit dem Beitrag „Der Macht die Worte: Rhetorische Instrumente der Konfliktbewältigung“ an und stellte die Möglichkeiten des gezielten Einsatzes rhetorischer Mittel in der Mediation durch den Mediator wie durch die Parteien dar, die für den weiteren Verlauf von Verhandlungen oft von entscheidenden Bedeutung sind.
Danach verteilte sich das Plenum auf drei Workshops zu den Referaten mit der Besonderheit, dass die Teilnahme an den einzelnen Workshops dem Motto der Tagung entsprechend unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ausgehandelt werden konnte.
Zum Abschluss des ersten Kongresstages führte das „Neue Ensemble Hannover“ unter der Leitung von Stephan Meier vor, wie aus vielen Solisten ein Orchester wird. Damit kamen die Anwesenden in den Genuss zeitgenössischer Musik und erhielten gleichzeitig einen Einblick in die soziale Seite der Orchesterarbeit mit Bezügen zur Mediation im Hinblick auf Kommunikation und Kooperation.
Nach einem kurzen Feedback wurde zur Abendveranstaltung mit kulinarischen Köstlichkeiten, angeregter Unterhaltung und musikalischer Untermalung durch Mitglieder des Neuen Ensembles Hannover übergeleitet, die im Ententurm in Brockhagen stattfand und bis in die späten Abendstunden dauerte.
Der zweite Kongresstag begann mit dem Vortrag von Prof. Hans-Peter Dürr (Max-Planck- Instituts für Physik, München, Träger des alternativen Nobelpreises 1987) zu dem Thema: „Mediation: Element der Evolution und zentraler Baustein künftiger Friedenssicherung“, der mit dem Fazit endete, dass nicht Krieg ultima ratio der Auseinandersetzung der Staaten sein dürfe, sondern die Sicherung der Weltfriedens allein durch Verhandlung und Mediation gewährleistet werden könne.
Als weiterer Referent trat Fürsprecher, Mediator und Coach Adrian Schweizer aus Gockhausen (Schweiz) auf und stellte „Neue Werkzeuge der Konfliktlösung - Komplexes Denken zum Lösen komplexer Konflikte“ vor. Dies verdeutlichte die Aussage, dass ein Problem nicht auf der gleichen Ebene, auf der es entstanden ist, und nur unter Einbeziehung einer Mehrheit von Perspektiven gelöst werden kann.
Den Nachmittag eröffnete Dr. Alexander Pfab, LL.M., MM., aus Speyer mit der Vorstellung der „Persönlichkeitstypologie Enneagramm“. Eine Einordnung menschlicher Charaktere mit diesem Werkzeug, bezogen auf den Mediator wie auf die Medianten, kann für den Verlauf des Mediationsverfahrens von erheblicher Bedeutung sein.
In den anschließenden Workshops zu den drei Themen des Tages hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, die Inhalte noch intensiver auch im Austausch untereinander zu bearbeiten.
Nachdem die Ergebnisse der Workshops vorgestellt worden waren, fasste Prof. Dr. Fritz Jost die beiden Kongresstage stichwortartig zusammen.
Das Feedback, wie es auf dem Kongress und im Anschluss gegeben wurde, deutet auf eine gelungene variantenreiche Tagung hin, welche durch anspruchsvolle und weit gefächerte Beiträge der Referenten vor einem fachkundigen Publikum die Interdisziplinarität der alternativen Konfliktbeilegung aufgezeigt hat.
Rechtsanwältin und Mediatorin Kathrin Glindemann
Institut für Anwalts- und Notarrecht der Universität Bielefeld
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geändert 21.06.2011 von Daniel Burchot


