Rezension von Dr. Benjamin Krenberger

erschienen in www.studjur-online.de Aus der Reihe „Studium und Praxis“ ist erstmals ein anwendungsorientiertes Werk für die juristische Ausbildung erschienen, die den neu entstehenden Schwerpunkt auch strafrechtlicher Klausuren auf die anwaltliche Beratung berücksichtigt. Auf weit über 400 Seiten stellt der Autor nicht nur gewöhnliche Zusammenhänge zwischen materiellem und prozessualem Recht her, sondern legt besonderen Wert auf die auch methodisch divergierende Anwaltssicht auf Mandate und Sachverhalte, ebenso wie auf die dabei zu berücksichtigenden Aspekte der Kommunikation und Psychologie. Die Gestaltung des Werks ist beinahe vorbildlich für Ausbildungsbedürfnisse zu nennen. Die Kapitel werden mit Fragen eingeleitet, deren Antworten man dann im Text auffinden kann. Die Hervorhebungstechnik ist gelungen. Tabellarische Übersichten, Graphiken und Schaubilder unterstützen die Textrezeption optimal. Kleiner gedruckte Passagen erläutern das Voranstehende vertiefend. Die Methodik wird mit Auszügen aus Musterakten untermauert. Im Internet bereitgestellt findet der Leser ergänzende Trainingsmöglichkeiten. Die Einleitung befasst den Leser zunächst mit dem Sinn und der Bedeutung der Strafverteidigung und stellt die verschiedenen Aufgaben des Strafverteidigers vor. Spannend lesen sich die gegen Ende der Einleitung zu findenden berufsethischen Aspekte und verschiedene Blickwinkel auf die anwaltliche Arbeit. Hiernach werden in einem eigenen Kapitel die rechtlichen Grundlagen der Arbeit des Verteidigers präsentiert, wobei nicht nur die überwiegend aufzufindenden strafprozessualen Details genannt, sondern auch zivil- und berufsrechtliche Rechtspflichten sowie prozessuale Obliegenheiten aufgedeckt werden. Das bereits genannte Kapitel zur Methodik der Strafverteidigung behandelt nicht nur das rein technische Vorgehen des Anwalts bei Mandatsbearbeitung, Sachverhaltsanalyse und prozessualen Schritten, sondern stellt auch konzeptionelle Fragen oder beleuchtet die mögliche strategische Ausrichtung der Verteidigung. Der nachfolgende Abschnitt stellt die erforderlichen Schlüsselqualifikationen des Verteidigers heraus und berücksichtigt in kompakter aber ganz exzellent eingängiger Weise psychologische Probleme, vor und während des Prozesses, oder auch Schwierigkeiten im Gespräch mit dem Mandanten. Sehr spannend liest sich auch der Abschnitt zur Vernehmung von Zeugen und zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit von Zeugen. Das Schlusskapitel ist dem Plädoyer vorbehalten und gibt nachahmenswerte Anregungen und Anleitungen für ein rhetorisch überzeugendes Schlusswort. Dieses Lehrbuch hilft engagierten Studenten und auch Referendaren, ihre eigenen Fähigkeiten abseits der bloßen juristischen Klausurarbeit zu schärfen und zu fördern, indem eine ganz neue Betrachtungsweise an die Hand gegeben wird. Selbst wenn man am Ende kein Strafverteidiger werden sollte, ist der ermöglichte Perspektivwechsel eine grandiose Leistung des Autors. Dieses Lehrbuch ist vielleicht (noch) nicht unbedingt examensnotwendig, aber die Lektüre ist eine große juristische Bereicherung und phasenweise ein echter Genuss.
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