Schwerpunktbereich 8: Kriminalwissenschaften (§ 43 StudPro 2012)

Der Schwerpunktbereich Kriminalwissenschaften steht in der Tradition der »gesamten Strafrechtswissenschaft«, die Theorie und Praxis des Strafrechts und des Strafverfahrensrechts stets als Einheit gesehen hat. Unter diesem Sammelbegriff versteht sich modernes Strafrecht deshalb als Wissenschaft, in der alle strafrechtlichen Teildisziplinen integriert sind, die sich mit Recht und Strafe im weiteren Sinn beschäftigen. Von den grundlagenorientierten Teildisziplinen »Strafrechtsphilosophie« sowie »Geschichte des Strafrechts« bis hin zur »Kriminologie« mit der Frage des Entstehens von Kriminalität und des Umgangs mit Straftätern, vom »Jugendstrafrecht« über das »Wirtschaftsstrafrecht« mit seinem verfahrensrechtlichen Bezügen, das »Medizin- und Biostrafrecht« mit Bezügen zur Medizin und zur Medizinethik und das »internationale Strafrecht« mit seiner europa- und völkerrechtlichen Dimension bis hin zum »Strafvollzugsrecht« und dem »Sanktionenrecht«: Mit den Studierenden wird ein breites Spektrum von strafrechtlichen Fragen bearbeitet, die aber nicht unverbunden nebeneinander stehen, sondern von einem einheitlichen, rechtsstaatlichem Verständnis von Strafe und seiner Durchsetzung geprägt sind. Die ganze Vielfalt der strafrechtsanwendenden Berufsfelder wird dadurch präsentiert, wobei die Studierenden im Bereich der Wahlfächer selbst eigene Akzente in ihrer Ausbildung setzen können.

 

1. Gegenstände von Studium und Prüfung

Der Schwerpunktbereich 8 ermöglicht in enger Zusammenarbeit mit dem Schwerpunktbereich 9 »Strafverfahren und Strafverteidigung« ein spezielle Vertiefung und Ergänzung des strafrechtlichen und strafverfahrensrechtlichen Pflichtfachstoffs. Sichere Kenntnisse im Straf- und Strafprozessrecht werden vorausgesetzt und in exemplarischer Weise erweitert.

Die Kriminologie beschäftigt sich dabei als interdisziplinäre Wissenschaft vor allem empirisch mit dem Straf- und Strafverfahrensrecht, etwa mit der möglichen Diskrepanz des Handelns der Strafverfolgungsorgane und den Regeln des Strafverfahrensrechts sowie den Auswirkungen von Strafrecht in der Realität. Es wird versucht Antworten auf die Frage nach den Ursachen von Kriminalität und abweichendem Verhalten zu finden. Einbezogen sind deshalb auch rechtspolitische Überlegungen nach der Notwendigkeit und dem Sinn von Kriminalisierungen oder Entkriminalisierungen. Mit dem Jugendstrafrecht wird ein praktisch besonders bedeutsamer Bereich der Strafrechtspflege abgedeckt. Der Straf- und Maßregelvollzug wirft eine ganze Fülle von humanen und rechtlichen Probleme auf, denen im Schwerpunktbereich vertieft nachgegangen wird.

Das heutige Strafrecht kann sich nicht mehr auf ein Studium des nationalen Rechts beschränken, sondern ist bereits jetzt stark europarechtlich geprägt, was sich vor allem im Wirtschaftsstrafrecht und im Strafverfahrensrecht zeigt. Aber nicht nur europäische, sondern auch weltgesellschaftliche Entwicklungen erfordern den Umgang mit neuen strafrechtlichen Herausforderungen. Deshalb ist auch das internationale bzw. supranationale Strafrecht in den Schwerpunktbereich einbezogen. Die Strafrechtsphilosophie als grundlagenorientierte Disziplin beschäftigt sich sowohl mit der Begründung staatlicher Verhältnisse als auch mit der notwendigen Rechtfertigung der Strafe selbst. Es geht aber auch um die grundlegenden Bedingungen einer rechtsstaatlichen Kontrolle von Kriminalpolitik, die nur verstanden werden können, wenn man sich Klarheit über die geschichtliche Entwicklung des Straf- und Strafverfahrensrechts verschafft.

 

2. Die universitäre Schwerpunktbereichsprüfung

Die Schwerpunktbereichsprüfung besteht aus einer häuslichen Arbeit mit mündlicher Prüfung und einer Aufsichtsarbeit. In der Aufsichtsarbeit werden die Prüfungsgegenstände behandelt, die zum Pflichtfachbereich des Schwerpunkts gehören. Im Vordergrund stehen hier Kriminologie und Jugendstrafrecht, strafrechtliche Sanktionen und Strafvollzug sowie das Wirtschaftsstrafrecht. Die vierwöchige Hausarbeit wird regelmäßig als Themenarbeit ausgegeben. Die Themen können dabei aus allen im Schwerpunktbereich angebotenen Veranstaltungen stammen. Die mündliche Prüfung ist eine Disputation über das Thema der häuslichen Arbeit. Sie besteht aus einem einleitenden Vortrag des Prüflings über das Thema der Hausarbeit und einem Prüfungsgespräch.

 

3. Besonderheiten

Die Besonderheit des Schwerpunktbereichs 8 liegt darin, dass auf der Grundlage des von den Studierenden bereits erworbenen Wissens versucht wird, den gemeinsamen Nenner verschiedener strafrechtlicher Teildisziplinen zu erarbeiten und deutlich zu machen. Ziel ist es, den Blick dafür zu schärfen, dass Strafrecht nicht nur aus einer Ansammlung sehr spezieller, voneinander unabhängiger Teilgebiete besteht, sondern dass theoretisch und praktisch zufrieden stellende Antworten nur gegeben werden können, wenn die Zusammenhänge der einzelnen Spezialmaterien und ihre Grundlagen herausgearbeitet werden. Darüber hinaus wird angestrebt, dass die Studierenden aktiv an der Bearbeitung kleinerer Aufgabenstellungen mitwirken und so Einblick in die Praxis des Strafrechts bekommen, etwa durch den Besuch von Justizvollzugsanstalten oder von Strafverhandlungen.

 

4. Die Lehrenden

Die Veranstaltungen werden von den Professorinnen und Professoren Harzer, Lindemann, Ransiek und Schild angeboten. Vor allem im Strafverfahrensrecht wird das Angebot durch Veranstaltungen von Prof. Barton ergänzt. Die genannten Dozentinnen und Dozenten bieten regelmäßig Themenhausarbeiten an.

© 2017 Fakultät für Rechtswissenschaft » geändert 08.08.2016 von Sebastian Kraus

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